Open Source nimmt heute eine zunehmend wichtige Rolle bei der Erbringung von IT-Leistungen ein. Der effiziente Einsatz von Open Source kann zu einem Wettbewerbsfaktor werden, das Beispiel Google, Eclipse und viele weitere Beispiele demonstrieren, wie sich leistungsfähige Systeme auf Basis von Open Source aufbauen lassen. Neben der Wieder-verwendung und Anpassung von frei verfügbarer Software gibt es einen weiteren wichtigen Trend, nämlich die Zusammenarbeit von Wettbewerbern zur Erstellung von Software Im-plementierungen im Rahmen von Open Source Projekten.
Die Kollaboration von Wettbewerbern ist an sich kein neues Phänomen, die Erstellung von Standards für Datenformate, Prozesse und ähnlichem ist seit langer Zeit weit verbreitet. Neu ist aber die Erstellung von wieder verwendbaren Implementierungen von Standards mit Open Source. Darüber hinaus haben Open Source Implementierungen de facto Stan-dards geschaffen. Wenn gewichtige Marktteilnehmer als Protagonisten auftreten, lassen sich Nutzengemeinschaften (Ökosysteme) etablieren (1). Aus einer solchen Strategie kön-nen sich für alle Teilnehmer beträchtliche Potentiale hinsichtlich Qualität, Nachhaltigkeit und Kosten ergeben.
Das COSAD-Projekt („Collaborative Open Source Application Development“) der Open Source Business Foundation e.V. verfolgt das Ziel, neue Erkenntnisse und Möglichkeiten der konsortialen Erstellung von Softwaresystemen für die deutsche Wirtschaft einfacher nutzbar zu machen. Neue Produktionsprozesse (Open Source) und Modularisierung er-möglichen die Flexibilisierung und Standardisierung von Software und leiten die Industriali-sierung der Softwareentwicklung ein.. Methoden und Technologien aus dem Open Source Bereich spielen für die Anwendung dieser Mittel eine entscheidende Rolle.
Das COSAD-Projekt beschreibt eine erprobte Vorgehensweise zum Aufbau und Betrieb von Konsortien zur Entwicklung von Software . Der Beweis der Funktionsfähigkeit des CO-SAD-Modells wurde bereits durch erfolgreiche Konsortien erbracht (u.a. der Eclipse Foun-dation). Die COSAD-Arbeitsgruppe plant, am Beispiel eines deutschen Projekts die Über-tragbarkeit dieses Erfolgs auf die Entwicklung branchenspezifischer Software zu belegen. Die COSAD-Arbeitsgruppe wird hierfür eine Industrie auswählen.
Als Motivation, Konsortien zu bilden hat sich herauskristallisiert:
- Die Erkenntnis, dass viele Software-Anwendungen keine Wettbewerbsdifferenziernde Wirkung haben, aber mit hohen Kosten verbunden sind.
- Die Notwendigkeit, in einer komplexen IT-Welt die Abhängigkeit von Lieferanten und einzelnen Menschen zu verringern; und
- Die Notwendigkeit, Standardisierung und Flexibilisierung zu erhöhen. Durch Standardi-sierung lässt sich die Total Cost of Ownership reduzieren, durch Flexibilisierung kön-nen Unternehmen schneller auf Veränderungen des Marktes / Umfelds reagieren.
Es ist zu erwarten, dass die Umsetzung einer COSAD-Strategie in verschiedenen Bran-chen unterschiedlichen Anforderungen genügen muss. Bei jeder Umsetzung sollten Exper-ten für eine erfolgreiche Konzeption und Implementierung hinzugezogen werden. Dieses Whitepaper stellt daher keine universell verbindliche Vorgehensweise dar, sondern zeigt die zu lösenden Anforderungen und jeweils ein Lösungsbeispiel auf.
COSAD ist selbst ein Open Source Projekt. Es verfolgt nicht das Ziel, Code zu entwickeln, sondern will der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung Regeln an die Hand geben, um erfolgreich Softwareentwicklungskonsortien aufzubauen und zu managen. Damit sollen organisatorische und inhaltliche Hemmnisse beseitigt und offenen Fragen kompetente Antworten entgegen gestellt werden.
Die Antworten und Entscheidungshilfen werden in diesem Whitepaper dokumentiert und stehen jedem für Kommentare und zur Nutzung zur Verfügung. Dieses Dokument wird unter der Creative Commons Non Commercial Share Alike Lizenz bereitgestellt.
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und auf Ihre Mitarbeit.
Das COSAD Gründerteam
Jochen Krause, Martin Braun, Hendrik Höfer, Richard Seibt
Anhang:

